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Groningen · Spottgeschichte

Vier Dörfer und drei kluge Köpfe

Die Herren kommen, um Namen zu erfinden. Zuerst wollen sie essen. Danach erweist sich ein Graben als klüger als die ganze Kommission.

Drei selbstgefällige Herren an einer reich gedeckten Tafel; ein Schmied hält einen eisernen Bauchreifen bereit
Eine Sitzung mit hervorragenden Aussichten auf den zweiten Gang.

Die Kommission begann damit, die Mittagspause zu streichen.

Das bedeutete nicht, dass die Herren nicht zu Mittag essen würden. Es bedeutete, dass ihr Mittagessen fortan als Sitzungszeit galt.

Es waren drei Herren: Stokkum, Kortum und Bergum. Sie sollten vier Groninger Dörfern einen Namen geben. Das war dringend nötig, denn ein Reisender, der fragte, wo er sei, bekam stets zu hören: hier. Wer nach dem nächsten Dorf fragte, dem wurde gesagt: dort drüben. So kam ein Mensch nie mit Gewissheit irgendwo an.

Stokkum war Vorsitzender, weil er den breitesten Stuhl brauchte. Kortum konnte über alle hinwegsehen und wurde deshalb mit dem Überblick betraut. Bergum hatte eine Gänsefeder. Er war der Schriftführer.

„Es muss etwas Vornehmes dabei herauskommen“, sagte Stokkum.

Bergum tauchte seine Feder in die Tinte.

Eine Stunde später war nur ein Klecks auf dem Papier.

„Vielleicht hilft Essen“, schlug Kortum vor.

Es war der erste Vorschlag, über den sie sich sofort einig waren.

Im ersten Dorf empfing sie ein Wirt, der seit Jahren auf einen Namen hoffte, der sich gut über seiner Tür machen würde. Er brachte Suppe, Fleisch und eine Schüssel Kartoffeln, von denen noch die Butter tropfte. Stokkum nahm von allem eine zweite Portion, um zu prüfen, ob die erste in Ordnung gewesen war.

Kortum ließ sich vom Wirt erzählen, wie viele Häuser es gab. Bergum fragte nach der Bodenart. Stokkum wollte wissen, ob noch Soße da sei.

Unter dem Tisch knackte etwas.

Der Wirt bückte sich, weil er ein lockeres Stuhlbein vermutete. Es war ein Knopf von Stokkums Weste. Er war durchs Zimmer geschossen und lag im Wasserkrug.

„Ein schlechter Schneider“, sagte Stokkum.

Der Schmied wurde geholt. Der machte, wie es nur in einer alten Spottgeschichte möglich ist, einen eisernen Reifen um den Bauch des Vorsitzenden. Stokkum saß sofort ein gutes Stück fester in seinem Amt.

Dann kam der Wirt mit gebratenem Geflügel.

„Wir müssen weiter“, sagte Bergum.

„Wir sind hier noch nicht fertig.“ Stokkum zog die Schüssel zu sich heran.

Beim letzten Schenkel begann das Eisen zu ächzen. Der Schmied stand schon auf. Stokkum packte die Tischkante.

„Noch einer drum rum!“, rief er. „Één ’r um!“

Bergum schrieb: Eenrum.

Endlich hatte jemand etwas gesagt, das kein Geld kostete.


Am nächsten Gewässer gab es keine Brücke. Stokkum sah zum anderen Ufer und dann zum Schmied, der sicherheitshalber ein Stück mitgegangen war.

Kortum nahm eine lange Stange.

„Passt gut auf“, sagte er.

Er stieß sich ab, schwebte über den Graben und landete im Gras. Das war gekonnt. Jetzt hätte er nur noch seine Stange hinlegen müssen.

Aber für manche Menschen ist eine gekonnte Tat ohne ausreichende Bewunderung eine unvollendete Tat.

„Und zurück!“, rief Kortum.

Wieder schwang er durch die Luft. Sein Mantel schlug ihm um den Kopf. Er landete genau neben der Stelle, an der er losgesprungen war.

„Da haben wir den Menschen schon wieder – daar heb je dat mens alweer“, sagte Bergum.

Er sah auf sein Papier. Dann lächelte er zum ersten Mal an diesem Tag.

Mensingeweer.

Kortum wollte noch einmal springen, aber Bergum sagte, das Dorf sei jetzt voll.

Weiter hinten lagen zwei Dörfer einander am Wasser gegenüber. Diesmal nahm der Schriftführer die Stange. Er wollte beweisen, dass ein Mann mit einer Gänsefeder auch etwas anderes festhalten konnte.

Er sprang.

Die Stange versank im Schlamm.

Bergum blieb über der Mitte des Wassers hängen.

Einen Augenblick lang sah es feierlich aus. Dann begann sein linkes Bein zu zittern.

„O, Bergum!“, rief Stokkum.

Am anderen Ufer kam jemand aus einem Haus.

„Wie heißt es hier?“, fragte er.

„O, Bergum!“, brüllte Stokkum erneut.

Der Mann nickte. Endlich.

Kortum hoffte laut, dass ihr Freund es schaffen würde. „Ich wünsch es ihm! Ik winsch ’t um!“

Vom anderen Ufer kam zustimmendes Gemurmel. Winsum war auch nicht übel.

Bergum hängt mit seiner Stange über dem Graben fest, während andere vom Ufer aus zusehen
Diesen Ausgang hatte der Schriftführer nicht notiert.

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis die Kommission wieder vollzählig auf dem Trockenen stand. Dafür waren zwei Bauern, ein Seil und der Schmied nötig. Stokkum hatte angeboten, die Aufsicht zu führen. Das tat er außerordentlich aufmerksam.

Bergum goss Wasser aus seinen Schuhen. Sein Papier war durchweicht. Nur die vier Namen waren noch zu lesen.

„Eine fruchtbare Reise“, stellte Stokkum fest.

Der Schmied streckte die Hand aus.

„Für das Eisen.“

Die Bauern streckten ebenfalls die Hände aus. Für das Seil. Für die Mühe. Für den verlorenen Nachmittag.

Die drei Herren sahen einander an.

„An welches Dorf“, fragte Bergum, „sollen wir die Rechnung schicken?“

Das war an diesem Tag die erste Frage, auf die alle Umstehenden die Antwort wussten.

„Nicht an unseres.“

Herkunft · Frei nacherzählt

Nach der Groninger Ortsnamengeschichte in Josef Cohens Nederlandsche sagen en legenden (Niederländische Sagen und Legenden). Die Wortspiele gehören zur Spottgeschichte; sie erklären nicht die tatsächliche Herkunft der Ortsnamen.

Wie Eenrum, Mensingeweer, Obergum und Winsum zu ihrem Namen kamen

Dialoge und komische Szenen sind neu geschrieben. KI-Illustrationen bebildern die Erzählung.

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