Das Erste, was die Herren von Edam an der Meerjungfrau verbesserten, war ihr Haar.
Es war Seetang darin. Das gehörte sich nicht. Sie war schließlich gerettet.
Dass sie ständig zum Wasser wollte, betrachteten sie als Folge des Schrecks.
Die Frauen, die sie aus dem Purmermeer geholt hatten, hatten kräftig rudern müssen. Nach einem Sturm hatte sie sich dorthin verirrt. Das Meer hatte sie ins Land hineingespült, und der ausgebesserte Deich hatte sie ausgesperrt. Oder eingesperrt. Das hing davon ab, auf welcher Seite man glücklich war.
Sie sprach eine Sprache, die niemand verstand. Wenn sie die Arme nach dem See ausstreckte, nickten die Herren verständnisvoll.
„Sie bedankt sich bei uns.“
Wenn sie zur Tür ging, hielten sie sie zurück.
„Sie weiß noch nicht, was gut für sie ist.“
Ein Mann mit einem besonders ordentlichen Kragen notierte, dass das Wesen Fortschritte mache.
Er hatte ihr an diesem Morgen das Sitzen beigebracht.
Besucher kamen. Eine Frau wollte wissen, ob sie nachts aufrecht schlafe. Ein Junge fragte, ob sie Fisch esse. Ein Kaufmann fragte, was sie koste.
Der Mann mit dem ordentlichen Kragen sagte, sie sei nicht zu verkaufen.
Dann fragte er, warum der Kaufmann das wissen wolle.
Sie gaben ihr Kleider, ein Bett und einen Teller Essen. Die Meerjungfrau sah die Rüben an, als hätte man ihr abgerundete Steine vorgesetzt. Sie lernte zu essen, was man ihr gab. Sie lernte aufzustehen, wenn die Herren hereinkamen. Sie lernte, dass ein Lächeln manchmal bedeutete, dass wieder jemand über sie entscheiden würde.
Aber das Bleiben lernte sie nicht.
Sobald die Tür offen stand, ging sie hinaus. Ihre Füße wussten, wo das Wasser lag. In der alten Erzählung hatte diese Meerjungfrau Beine; das Fehlen eines Schwanzes machte ihr Heimweh nicht kleiner.
Eines Morgens erreichte sie den Kai. Sie roch das Wasser, bevor sie es sah. Sie kniete nieder und tauchte die Hände hinein.
Eine Frau aus der Straße blieb neben ihr stehen.
Diesmal sagte niemand etwas.
Dann kamen die Herren.
„Da bist du ja.“
Sie brachten sie zurück.
Der Mann mit dem ordentlichen Kragen notierte, dass sie für selbstständige Spaziergänge noch nicht geeignet sei.
Haarlem hörte von dem Wunder.
Die Haarlemer kamen, um es sich anzusehen. Sie gingen um die Meerjungfrau herum, wie man um einen Schrank herumgeht, von dem man findet, dass er im eigenen Haus schöner stünde.
„Bemerkenswert“, sagte der Erste.
„Höchst bemerkenswert“, sagte der Zweite.
Der Dritte hatte die Entscheidung bereits getroffen.
Eine bedeutende Stadt, fanden sie, sollte bedeutende Dinge besitzen. Edam war kleiner. Das machte die Sache übersichtlich.
Es gab Gespräche, Besuche und höfliche Anfragen. Über die Meerjungfrau wurde länger gesprochen als je mit ihr.
Schließlich reiste sie nach Haarlem ab.
Der Mann mit dem ordentlichen Kragen gab den Bericht mit. Darin stand alles, was er über sie wusste.
Es war ein dicker Bericht.
In Haarlem lernte sie spinnen. Ihre Finger waren flink. Das Rad summte, der Faden lief, und die Frauen, die sie unterrichteten, waren zufrieden.
„Sie fühlt sich wohl“, sagten sie.
Das konnten sie am Rad hören.
Niemand bedachte, dass ein Rad dasselbe Geräusch macht, wenn jemand traurig ist.

Sie stellte einen Zuber Wasser zu ihren Füßen. Wer hereinkam, dachte, sie wolle sie waschen. Doch sie ließ sie darin stehen, während sie spann. Ab und zu bewegte sie die Zehen, und die kleinen Wellen klopften gegen das Holz.
Eines Nachmittags kam ein neuer Besucher herein. Er hatte gelernt, über ferne Länder zu reden, ohne je das eigene zu verlassen, und wollte der bemerkenswerten Frau gern eine Frage stellen.
„Sind Sie hier glücklich?“
Sie sah ihn an.
Er wiederholte es, lauter. Als wäre eine fremde Sprache eine Frage der Lautstärke.
Da nahm sie seine Hand. Er lächelte, weil er ahnte, dass gleich etwas Rührendes geschehen würde.
Sie legte seine Hand in den Zuber.
Sie hielt sie unter Wasser.
Nicht lange. Nur bis er sie zurückzog.
Dann zeigte sie auf die Tür.
Der Besucher ging mit einem nassen Ärmel und der Überzeugung, dass sie noch viel lernen müsse.
Sie sah ihm nach.
Zum ersten Mal an diesem Nachmittag hatte sie etwas gesagt, das er verstand.
Herkunft · Frei nacherzählt
Nach De Zeemeermin van Edam (Die Meerjungfrau von Edam) in Josef Cohens Nederlandsche sagen en legenden. Diese Variante beschreibt eine Frau mit Beinen, die nach Haarlem gebracht wird und spinnen lernt. Die Stadtoberen, der Zuber und der letzte Besucher sind neu ausgearbeitet.
Dialoge und komische Szenen sind neu geschrieben. KI-Illustrationen bebildern die Erzählung.
