
Spätsommer Ende September: Woher die Wärme kommt und was die Nordsee damit macht
Nach einem kühlen Donnerstag erwarten Wetterdienste Tage mit 20 Grad oder mehr. Was ein Spätsommer ist, wie die warme Luft zu uns gelangt und warum die Nordsee erst im August am wärmsten ist.
Donnerstag, der 24. September 2026, ist ein kühler Tag. Weeronline bezeichnete diesen Donnerstag in einer Meldung vom 23. September als kühlsten Tag der Woche, mit 16 bis 19 Grad von Nord nach Süd. Danach dreht das Wetter. Für Freitag, den 25. September, erwartet das KNMI reichlich Sonne und Höchstwerte von 20 Grad im Norden bis örtlich 24 Grad im Südwesten. Auch das Wochenende bleibt laut KNMI sonnig und trocken, und ab Montag wird es für die Jahreszeit (sehr) warm.
Wie lange das anhält, ist weniger sicher. Laut Weeronline können es am Sonntag im Landesinneren örtlich 25 Grad werden. Einige Szenarien zeigen um den Monatswechsel sogar großflächig deutlich mehr als 25 Grad, wobei die Unsicherheit dann groß ist. Für den 1. bis einschließlich 8. Oktober gibt das KNMI eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für überwiegend trockenes und sonniges Wetter mit überdurchschnittlichen Temperaturen an und von 40 Prozent für wechselhafteres Wetter mit normalen Temperaturen.
Was ein Spätsommer ist
Meteorologen lassen den Herbst am 1. September beginnen. Eine sonnige Phase mit hohen Temperaturen danach nennt man Spätsommerwetter, erklärt Weer.nl. Solches Wetter kann sich noch bis Mitte November einstellen, während die Nachmittage zwischen September und Ende November im Schnitt von etwa 20 auf 10 Grad abkühlen.
Eine solche Phase hat viele Namen. Im Niederländischen heißt eine sommerliche Phase um den 29. September sint-michielszomer (Michaelssommer), Anfang Oktober spricht man von einem kranenzomer (Kranichsommer). In den Niederlanden nennt man warmes und sonniges Herbstwetter auch oudewijvenzomer – Altweibersommer.
Woher die Wärme kommt

Anhaltend sommerliches Wetter entsteht, wenn Hochdruckgebiete liegen bleiben und Tiefdruckgebieten vom Ozean den Weg versperren, erklärt das KNMI. Verlagert sich ein solches Hoch nach Mitteleuropa, dreht der Wind auf Südost bis Süd, und es wird wärmer. Das passt zur Vorhersage von Weeronline: Ab Freitag weht der Wind aus Süden, und warme Luft aus Südeuropa strömt herein.
Der Gegensatz zur Nacht davor ist groß. In der Nacht zum Freitag klart es auf, und der Wind schläft ein. Weeronline erwartet, dass es bis etwa neun Uhr morgens an den meisten Orten kälter als 10 Grad ist, und im Landesinneren kann es örtlich Bodenfrost geben. Im Osten und Nordosten kann es laut KNMI auf 5 Grad abkühlen, an der Küste bleibt es bei etwa 10 Grad.
Die Nordsee als Wärmebatterie
Dass die Küste wärmer davonkommt, passt zu dem, was das KNMI über das Meer schreibt. Das Institut beschreibt die Nordsee als Wärmebatterie. Im Sommer fängt das Meerwasser Sonnenenergie auf und hält sie als Wärme fest. Weil Wasser viel Wärme speichern kann und Wellen und Wind diese Wärme über Dutzende Meter Tiefe durchmischen, ist die Nordsee nicht im Juni am wärmsten, wenn die Sonne am höchsten steht, sondern erst im August.
An der Küste steigt die Meerestemperatur laut KNMI von weniger als 2 Grad im Februar auf mehr als 20 Grad im August. Das Meer erwärmt sich im Frühjahr und Sommer langsamer als das Land, kühlt im Herbst und Winter aber auch viel langsamer ab. Im Oktober ist die Nordsee im Durchschnitt 4 Grad wärmer als das Land. Diese gespeicherte Wärme gibt das Meer im Winter wieder ab, und das sorgt für milde Winter.
Es gibt auch eine Kehrseite. Bei Westwind liefert das warme Meerwasser den Treibstoff für Schauer, vor allem an der Küste. In den Herbstmonaten fällt dort bis zu 40 Prozent mehr Niederschlag als im Landesdurchschnitt, meldet das KNMI.
Die Batterie wird voller. In den vergangenen 40 Jahren ist die Nordsee laut KNMI um etwa 1,7 Grad wärmer geworden, vor der niederländischen Küste um rund 0,4 Grad pro Jahrzehnt. Und der Sommer 2026 war laut KNMI mit durchschnittlich 19,3 Grad gegenüber normal 17,5 der wärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1901. Der europäische Klimadienst Copernicus nennt diesen Sommer den wärmsten, der in Westeuropa je gemessen wurde.

Foto: Der Strand von Scheveningen an einem sonnigen, diesigen Morgen im Mai 2019, rechts die Hafenmolen und das rot-weiße Hafenfeuer. Ein paar Spaziergänger gehen an der Flutlinie entlang. Paul van de Velde from Netherlands / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)