
Nebel über Wiesen: Warum der Boden nachts eine Decke bildet
Nach einer klaren Nacht liegt eine weiße Schicht über dem Gras, während die Stadt noch sichtbar ist. Das ist keine Wolke, die sich niedergelassen hat. Es ist die Wiese, die ihre Wärme abgegeben hat.
Nebel ist weder Rauch noch tief hängender Regen. Er besteht aus kleinen Wassertröpfchen, die nahe am Boden in der Luft schweben. Von Nebel sprechen wir, wenn die Sichtweite unter tausend Meter sinkt; darunter folgen dichter und sehr dichter Nebel. Dahinter steckt Kondensation: Luft kann bei einer bestimmten Temperatur nur eine begrenzte Menge Wasserdampf aufnehmen. Kühlt die Luft bis zum Taupunkt ab, kondensiert der Dampf zu schwebenden Tröpfchen. Was du siehst, ist also gesättigte Luft und kein Dunst aus einem Schornstein.
Über Wiesen handelt es sich meist um Strahlungsnebel. Unter klarem Himmel strahlt der Boden nachts mehr Wärme ab, als er zurückbekommt. Gras und feuchter Boden kühlen schnell aus; die Luft unmittelbar darüber folgt. In der Stadt bremsen Stein und gespeicherte Restwärme diese Abkühlung. Auf offenem Land nicht. Die Voraussetzungen: wenig Bewölkung, genügend Feuchtigkeit und Wind, der weder zu stark noch zu schwach ist. Bei Windstille schlägt sich die Feuchtigkeit als Tau nieder. Eine schwache Durchmischung hält die Tröpfchen in der Luft. Zu viel Wind vermischt die kalte bodennahe Luft mit trockenerer Luft von oben; die Schicht verschwindet oder wird zu tiefer Bewölkung.

Kalte Luft ist schwerer. Sie sinkt von einer geneigten Wiese zum Graben hinab. Dort gibt es zusätzliche Feuchtigkeit. So entsteht eine Nebelbank, die vom Deich aus wie ein Meer aussieht, während zwei Wiesen weiter die Sicht noch frei ist. Deshalb kann Wiesennebel für den Verkehr tückisch sein: Er liegt tief, tritt lokal auf und folgt dem Relief.
Im Winterhalbjahr sind die Nächte lang. Die Sonne hat morgens weniger Kraft, den Boden von unten her zu erwärmen. Deshalb bleibt Wiesennebel im Herbst länger liegen als im Juni. Advektionsnebel ist etwas anderes: warme, feuchte Luft, die über eine kalte Oberfläche strömt, zum Beispiel vom Meer her. Die weiße Decke über einer Wiese nach einer sternenklaren Nacht ist fast immer Strahlungsnebel.
Was du von einer kleinen Brücke aus siehst, ist lokale Physik. Das Feld hat seine Wärme verloren. Der Asphalt daneben oft noch nicht. Achte auf die Lücke über der Straße: Dort hat der Stein die Abkühlung verzögert.
Ein anderer Blick
Bei fast völliger Windstille schlägt sich die Feuchtigkeit als Tau auf dem Gras nieder; erst wenn die Luft sich gerade ein wenig bewegt, bleibt der Schleier in der Luft hängen.
Schau an einem klaren Morgen von einer kleinen Brücke aus: über dem Gras eine weiße Schicht, über dem Asphalt häufig eine Lücke.