Der Brauer schickte immer seinen jüngsten Knecht hinunter, wenn etwas Schweres gehoben werden musste. Er nannte das Erfahrung sammeln.
Wenn oben etwas Leckeres probiert werden musste, hatte der Junge noch nicht genug Erfahrung.
Eines Morgens kam ein anderer Knecht nicht aus dem Keller zurück. Der Brauer rief durch die Luke, Schlafen während der Arbeitszeit werde vom Lohn abgezogen. Es kam keine Antwort.
Er schickte einen zweiten Mann.
Auch der blieb unten.
Da zählte der Brauer sein Personal. Danach zählte er seine Fässer. Er beschloss, dass etwas geschehen müsse.
Im Utrechter Brauereikeller wohnte ein Basilisk. Für alle, die noch nie einem begegnet sind: Das ist das Vernünftigste, was man mit einem Basilisken tun kann. Das Tier sah aus wie eine Eidechse, die sich herausgeputzt hatte, um einen Hahn zu erschrecken. Es hatte Stacheln, eine bösartige Laune und Augen, die laut der Sage jeden töteten, der hineinsah.
Letzteres war für Besucher besonders unpraktisch. Man konnte ihn nicht einmal höflich ansehen, um zu sagen, dass man lieber später wiederkäme.
Die Türen der Brauerei wurden geschlossen. Ein Seil wurde um das Haus gespannt. Der Brauer stellte sich daneben und erzählte allen, er habe noch nie eine Beschwerde über sein Bier bekommen.
Ein Mann mit einem Schwert bot an, das Ungeheuer zu erschlagen. Er wollte vorher wissen, wie groß es sei.
„Dafür müssten Sie mal nachsehen“, sagte der Brauer.
Der Mann zog sein Angebot zurück.
Ein Gelehrter sagte, man müsse das Wesen des Geschöpfs erforschen. Er schlug vor, dazu zuerst jemand anderen hinunterzuschicken.
Ein Dritter riet, die Brauerei zuzumauern. Der Brauer fand das unverantwortlich, bei all dem guten Bier, das noch drin war.
Der jüngste Knecht hörte zu. Er hieß in dieser Geschichte Teun und war meistens derjenige, der Dinge festhalten musste, während andere erklärten, warum sie wichtig waren.
„Kann er sich selbst ansehen?“, fragte er.
Der Gelehrte drehte sich zu ihm um.
„Eine höchst verwickelte Frage.“
„Aber kann er es?“
Er konnte es nicht. Darin waren die Bücher klarer als der Gelehrte.
Teun ging etwas holen.
Er kam mit dem Spiegel aus dem Zimmer des Brauers zurück. Es war ein teurer Spiegel. Der Brauer betrachtete darin jeden Morgen seine eigene Würde und strich sich dann noch einmal über den Bauch.
„Vorsicht damit“, sagte er sofort.
Teun legte ein Tuch über das Glas. Er ließ sich eine Augenbinde umbinden und fragte, wo die erste Stufe begann.
Jetzt, da der Junge wirklich hinabsteigen wollte, wurde es still. Der Brauer öffnete den Mund. Es kam kein Befehl heraus. Das war neu.
Die Treppe war ungleichmäßig. Teun kannte jede Stufe, weil er so oft etwas viel zu Schweres darüber hatte hinuntertragen müssen. Bei der vierten neigte er den Kopf wegen des niedrigen Balkens. Bei der letzten schob er den Fuß über den Boden, bis er den Rand des Fasses spürte.
Er hörte etwas scharren.
Der Basilisk hatte ihn gesehen.
Das Ungeheuer starrte.
Teun blieb stehen.
Der Basilisk starrte heftiger.
Nichts geschah. Das Tier war noch nie mit so wenig Entgegenkommen konfrontiert worden.
Teun spürte, wie seine Hände am Holz abrutschten. Oben knarrte eine Diele. Er hoffte inständig, dass niemand kam, um ihm noch einen letzten guten Rat zu geben.
Das Scharren kam näher.
Er drehte den Spiegel um und zog das Tuch weg.

Der Basilisk blickte direkt in zwei abscheuliche Augen.
Es waren seine eigenen, aber das machte die Begegnung nicht freundlicher.
Ein scharfes Zischen ertönte. Etwas tickte gegen das Glas. Dann roch Teun einen trockenen, bitteren Geruch, als wäre ein alter Kamm ins Feuer gefallen.
Er wartete.
Er wartete immer noch.
„Ist es erledigt?“, rief der Brauer von oben.
Teun antwortete nicht. Zum ersten Mal an diesem Tag ließ er seinen Herrn warten.
Erst als alles still blieb, schob er die Augenbinde beiseite. Auf dem Boden lag ein Häufchen Asche. Der Keller war wieder ein ganz gewöhnlicher Keller, nur dass jetzt sehr viel aufzuräumen war.
Oben wollten alle gleichzeitig wissen, wie es gelaufen war. Der Brauer nahm den Spiegel und hielt ihn gegen das Licht.
„Ein Kratzer“, sagte er.
Teun sah seinen Herrn an. Dann den Spiegel. Dann wieder seinen Herrn.
„Nein“, sagte er. „Das ist Ihr Gesicht.“
Herkunft · Frei nacherzählt
Nach De Basiliscus van Utrecht (Der Basilisk von Utrecht) in Josef Cohens Nederlandsche sagen en legenden. Das Ungeheuer, der tödliche Blick und die Spiegelprobe stammen aus der Sage; der Knecht Teun und die Brauerwitze sind neu ausgearbeitet.
Dialoge und komische Szenen sind neu geschrieben. KI-Illustrationen bebildern die Erzählung.
