
Warum Dünen Trinkwasser speichern
Unter dem Sand der holländischen Küste liegt Süßwasser auf Salzwasser. Trinkwasserunternehmen nutzen diese Süßwasserlinse sowohl als Filter als auch als Vorrat.
An der Küste ist das Grundwasser von Natur aus oft zu salzig für den Wasserhahn. Unter den Dünen ist das anders. Regen, der über Jahrhunderte versickerte, bildete eine Süßwasserlinse, die auf dem schwereren salzhaltigen Grundwasser schwimmt. Waternet, PWN und Dunea gewinnen dort Trinkwasser. Die Linse allein ist zu klein für die Randstad. Deshalb pumpen sie vorgereinigtes Flusswasser in die Dünen: aus dem Lekkanaal, dem IJsselmeer oder der Afgedamde Maas.
In Infiltrationsrinnen sickert dieses Wasser durch den Sand. Bakterien und Viren überstehen diese lange Passage ohne Sauerstoff und Nahrung nur schlecht. Wie lange diese Reise dauert, unterscheidet sich je nach Gewinnungsgebiet. PWN spricht bei Castricum und Heemskerk von Wochen; anschließend wird das Wasser hochgepumpt und nachgereinigt. Waternet lässt das Wasser in den Amsterdamse Waterleidingduinen im Durchschnitt monatelang unterwegs sein: Die Broschüre nennt mindestens sechzig Tage und durchschnittlich neunzig Tage sowie einen strategischen Vorrat von zwei bis drei Monaten. Das ist kein landesweiter Durchschnitt. Es ist die Zeitrechnung genau dieser Dünen.

Die Dünen sind also kein Zierteich. Sie sind ein langsamer Sandfilter zwischen Fluss und Wasserhahn. Früher führte die reine Entnahme zu Problemen. Bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde natürliches Dünenwasser hochgepumpt. Die Süßwasserlinse schrumpfte, Täler trockneten aus. Seit der Infiltration gilt grob: Was herauskommt, wird wieder hineingebracht. PWN erklärt, dass Entnahme und Infiltration im Gleichgewicht gehalten werden, um Natur und Wasservorrat zu schützen. Die feuchten Dünentäler haben sich teilweise erholt.
Für dich als Wanderer in den Amsterdamse Waterleidingduinen oder bei Castricum sind die lang gestreckten Wasserflächen keine zufälligen Teiche. Es ist Flusswasser auf seinem Weg durch das System. Trink nicht aus der Rinne; es ist noch kein Leitungswasser. Doch die Landschaft, durch die du wanderst, ist zugleich einer der stillsten Teile der Trinkwassermaschine.
Die Dünen speichern Wasser, weil Sand langsam durchlässig ist und Süßwasser leichter als Salzwasser. Diese beiden Eigenschaften machen aus einem Küstenstreifen einen Vorratsspeicher.
Ein anderer Blick
Bei PWN durchläuft das Dünenwasser den Sand innerhalb von Wochen; Waternet rechnet im selben Dünengürtel eher in Monaten.
Suche in einem Wassergewinnungs-Dünengebiet nach den schmalen, geraden Infiltrationsrinnen im hohen Sand: Dort beginnt die unterirdische Reise.