
Sturmflutwehr Ramspol: Wie das aufblasbare Schlauchwehr bei Kampen in die Sturmsaison geht
Am Dienstag, 6. Oktober, schließt Rijkswaterstaat das Wehr zwischen Ketelmeer und Zwarte Meer zu Testzwecken. Wie drei Gummischläuche einen 10 Meter hohen Damm bilden und was die große Wartung gebracht hat.
Am Montag, 21. September 2026, kündigte Rijkswaterstaat an, das Sturmflutwehr Ramspol am Dienstag, 6. Oktober, zu Testzwecken zu schließen. Das geschieht jedes Jahr zu Beginn der Sturmsaison. Spezialisten prüfen dann, ob alle Systeme funktionieren, damit das Wehr bereit ist, wenn das Wasser wirklich steigt.
Das Wehr liegt zwischen dem Ketelmeer und dem Zwarte Meer bei Kampen. Es ist ein aufblasbarer Damm: Bei Hochwasser trennt er das Zwarte Meer vom Ketelmeer ab. Ohne dieses Wehr könnten laut Rijkswaterstaat bei einem schweren Nordweststurm große Teile des Noordoostpolder und von Overijssel überflutet werden.
Warum sich das Wasser hier staut
Die Gefahr kommt vom IJsselmeer. Bei starkem Wind oder Sturm aus Nordwesten wird Wasser aus dem IJsselmeer auf das Ketelmeer geweht. Das geschieht in einer Art Trichter: Das aufgestaute Wasser sucht sich seinen Weg zum Zwarte Meer. Wird dort rechtzeitig ein Damm aufgeworfen, kann das Wasser nicht weiter ins Zwarte Meer vordringen.
Das Wehr schließt automatisch, erklärt Rijkswaterstaat. Messen die Sensoren bei Ramspol einen Wasserstand von mehr als 50 Zentimetern über NAP (dem niederländischen Bezugspegel) und bleibt der Pegel eine Minute lang so hoch, setzt der Computer das Schlauchwehr in Gang. Dabei muss das Wasser landeinwärts strömen. Leistungsstarke Pumpen blasen dann innerhalb einer Stunde 3,5 Millionen Liter Luft und 3,5 Millionen Liter Wasser aus der Fahrrinne in die Schläuche. Rijkswaterstaat selbst vergleicht den Anblick mit einem riesigen Fahrradschlauch, der aus dem Wasser aufsteigt. Schiffe kommen dann nicht mehr durch.
Alltäglich ist das nicht: Laut Rijkswaterstaat schließt das Wehr etwa ein- bis zweimal im Jahr.
Drei Schläuche aus Gummigewebe

Das Wehr besteht aus drei Schläuchen aus schwerem, äußerst festem Gummigewebe, jeder etwa 80 Meter lang. Aufgeblasen bilden sie zusammen eine Barriere von etwa 10 Metern Höhe und 240 Metern Länge. Außerhalb von Stürmen liegen die Schläuche zusammengefaltet in Betonwannen in der Rinne, und Schiffe fahren einfach darüber hinweg.
Ramspol ist das einzige Schlauchwehr der Welt, das als Sturmflutwehr dient. Seit Dezember 2002 ist das Wehr einsatzbereit. Laut Rijkswaterstaat wurde dieser Typ gewählt, weil sonst rund 115 Kilometer Deich hätten erhöht werden müssen. 2014 übernahm Rijkswaterstaat die Verwaltung vom Wasserverband.
Große Wartung unter der Wasserlinie
Der Test am 6. Oktober folgt kurz auf die größte Wartung seit der Inbetriebnahme des Wehrs im Jahr 2002, meldet Rijkswaterstaat. Am 8. September 2026 schloss Rijkswaterstaat die Arbeiten am Führungsrollensystem ab, früher als geplant. Unten in jedem Schlauch sitzen 80 Führungsrollen. Sie sorgen dafür, dass das Gewebe nach einer Schließung ordentlich und ohne Schaden zurücksinkt und gefaltet am Boden zu liegen kommt. Nach 24 Jahren mussten die Lager ersetzt werden; insgesamt wurden die von 240 Rollen erneuert.
Die Arbeiten waren außergewöhnlich, schreibt Rijkswaterstaat. Zuerst wurde ein Schlauch mit Luft aufgeblasen und leergepumpt. Danach konnten Monteure hinein, unter Überdruck und unter der Wasserlinie, über einen Schacht und eine Luftschleuse. Zwischen ihnen und dem Außenwasser lag ein Gummigewebe von etwa 1,6 Zentimetern Dicke. Jede Führungsrolle wiegt samt Lagergehäusen und Achszapfen rund 660 Kilo. Weil die Wassersicherheit Vorrang hatte, mussten die Schläuche während der Arbeiten innerhalb von 48 Stunden wieder einsatzbereit sein können.
Die neuen Führungsrollen sollen voraussichtlich etwa 25 Jahre halten. Das Schlauchgewebe ist laut Rijkswaterstaat in bestem Zustand und hält voraussichtlich bis etwa 2042.
Wer den Test sehen möchte: Laut Rijkswaterstaat lässt sich die Schließung gut von einem Aussichtspunkt unter der Südseite der Ramspolbrücke am Balgweg in Kampen verfolgen, auf der Nordseite vom Deich an der Ramsgeul aus. Gelände und Gebäude des Wehrs sind nicht zugänglich. Die Schließung beginnt gegen 8.00 Uhr.
Der kleine Bruder in der Rur
Ein Schlauchwehr gibt es auch im Kleinen. In Roermond arbeitet der Wasserverband Limburg vom 21. September bis einschließlich 16. Oktober 2026 am Schlauchwehr Hoge Bat in der Rur. Dieses Wehr verteilt das Wasser der Rur auf den Hambeek und die Stedelijke Roer und ist insgesamt 57 Meter lang. Der Wasserverband ersetzt die beiden Gummimembranen von je 28,5 Metern. Das sind Gummisäcke voller Wasser: Indem man sie nachfüllt oder leerlaufen lässt, hält das Wehr das Wasser auf der gewünschten Höhe. Der Wasserverband arbeitet jeweils an einer Hälfte; die andere Hälfte regelt weiter den Pegel.

Foto: Binsenfelder im Zwarte Meer unter strahlend blauem Himmel, März 2012. Bei Sturm trennt das Sturmflutwehr Ramspol diesen See vom Ketelmeer ab. Gouwenaar / Wikimedia Commons (CC0)