
Kinderdijk als Wassersystem lesen, nicht als Windmühlenreihe
Neunzehn Windmühlen in einer Reihe sind das Bild. UNESCO schützt etwas Größeres: Polder, Speicherbecken, Pumpwerke und Schleusen, die gemeinsam Wasser nach oben befördern.
Kinderdijk liegt dort, wo die Alblasserwaard ihr Wasser in den Lek ableiten muss. Zuerst pumpt eine Poldermühle oder ein Pumpwerk das Wasser in ein niedriges Speicherbecken. Danach heben Speichermühlen das Wasser noch eine Stufe höher bis zur Schleuse und zum Fluss. UNESCO beschreibt das Mill Network at Kinderdijk-Elshout als dieses vollständige System: Polder, hohe und niedrige Kanäle, neunzehn Windmühlen, Pumpwerke, Auslassschleusen und Wasserverbandsgebäude. Die Flügel sind der sichtbare Teil einer Treppe. Ohne die Wasserbecken daneben hätten sie keine Aufgabe.
Die heutigen Reihen stammen größtenteils aus den Jahren 1738 und 1740: steinerne Windmühlen an der Nederwaard, reetgedeckte an der Overwaard. Zwei Systeme arbeiteten parallel. Hohe Speicherbecken boten zusätzliche Kapazität, als Windmühlen allein nicht mehr ausreichten. Pumpwerke übernahmen die tägliche Arbeit. Die historischen Windmühlen zeigen, wie das Wasser früher bewegt wurde. Wer nur die Flügel fotografiert, übersieht die Dämme, den Unterschied der Wasserstände zwischen den Gräben und die Fließrichtung des Wassers.

Lies die Landschaft von niedrig nach hoch: Polder, niedriges Speicherbecken, hohes Speicherbecken, Lek. Jede Stufe ist eine Entscheidung darüber, welches Wasser wohin darf. Trockene Füße sind hier keine Magie aus Holz und Segeltuch. Es ist eine Hierarchie von Wasserbecken.
Kinderdijk ist damit Anschauungsunterricht unter freiem Himmel. Die Postkarte zeigt eine Reihe. Das Kulturerbe ist das System.
Ein anderer Blick
UNESCO zählt bei Kinderdijk-Elshout auch Pumpwerke, Schleusen und Wasserverbandsgebäude zum Netzwerk.
Stell dich neben einer Windmühle auf den Damm und suche den Höhenunterschied zwischen dem Wasser vor und hinter dem Schöpfrad oder der Schnecke.
